Wie ein "Wir" zu Kleinlaut führen kann und was "Carpe Diem" mit der NATO zu tun hat

Puh, ich fühle mich etwas geschlaucht. Nach einem aufwühlenden Wochenende voller gegensätzlicher Begegnungen verspüre ich nun starkes Verlangen, ein bisschen Aufarbeitung zu betreiben. 

 

Warum eigentlich fühlen sich immer mehr Menschen allein und hilflos? Oder kommt mir das nur so vor? Warum gibt es immer noch so viel Ausbeutung und Korruption? Weshalb sind Debatten so von Polemik und lähmenden Diskussionsverfahren geprägt, während brennende Themen nur halbherzig angegangen werden? Warum verleihen nicht mehr Menschen ihrer Angst und Wut über ungelöste gesellschaftliche Probleme Ausdruck? Weswegen rasseln wir wieder so sehr mit den Säbeln, statt wirklich ZUSAMMEN, und das GLOBAL, daran zu arbeiten? 

 

Und all das Ganze und unzählige Warums mehr, obwohl die Gemeinschaft hochgehalten wird und das "Wir" schon lange eine - vermeintlich? - wichtige Rolle spielt!?

Nicht nur Diskussionen mit Familie und Freunden über Gesellschaft und Politik wühlten mich während der letzten Tage auf, denn ich hörte einige Aussagen, die mir gar nicht gefielen. Auch der ausgiebige Blick auf einen ellenlangen Güterzug, der amerikanische Panzer transportierte, brachte mich ganz schön ins Grübeln. Mir wurde außerdem etwas übel, als ich Aufschriften wie "Cape Diem", "Aloha-Snack-Bar" oder "Clint Eastwood" auf den Kanonenrohren las. 


Ich konnte zunächst gar nicht zuordnen, was ich da sah - ein Güterzug voller Panzer am Bahnhof einer ostdeutschen Kleinstadt - und zog Google News zu Rate. Das gehörte also zum NATO-Manöver "Defender 2020" (Tagesspiegel.de ›). Und wieder ein Blick auf die Kanonenrohre -  Das höhnt doch den unendlich traurigen Folgen der Tötungsmaschinen! - und wieder ein flauer Magen.

 

In meinen Anschluss-Zug gestiegen, griff ich zur Ablenkung schnell wieder zum Smartphone. Wirkliche Zerstreuung war's dann zwar nicht, aber als ich auf Wolf Lotters Tweet zu einem seiner brand-eins-Publikationen aus 2016 stieß, brachte mich das vielmehr zu einigen Ahas und Verknüpfungen mit meinen Erlebnissen. Seine Ausführungen über "Das neue Wir" gaben mir unter anderem Antworten auf meine oben beschriebenen Fragen. 

 

Dass ein unbedingt gefordertes Wir-Gefühl und das Leben(wollen) eben jenen "Wirs" auch zu Kleinlaut und Duckmäusrigkeit führt und dass ein "sich in der Gruppe verstecken" auch Ausdruck davon sein kann, Ohnmacht den Platz zu geben, statt Verantwortung zu übernehmen, habe ich hier verstanden. Seine Zeilen sind aktueller denn je, was mich zur ausdrücklichen Leseempfehlung bringt.  

 

Fast schockiert hat mich die Einsicht, dass der hier  angedeutete, im Trend liegende Kollektivismus mit Populismus einhergeht und somit letztlich auch mit der Furcht vor einer Wiederkehr der Barbarei, weil es mir - verbunden mit meinen Erlebnissen - meine Ängste so plastisch vor Augen führte. Wolf Lotters Text hat mich wirklich erhellt und mir in Bezug auf die politische Haltung einiger meiner Zeitgenossen zu neuem Denken verholfen.

Grundlegend haben mich in dem Essay die Aussagen total angesprochen, die ich mit persönlichem Erleben, zum Beispiel mit dem Gefühl des Scheiterns verbinde: Mit wichtigen und der Dringlichkeit aktueller Probleme angemessener und "aussprechenswerter" Aussagen hinterm Berg zu halten, ist sehr schade, weil lohnenswerter Diskurs so erst gar nicht geführt werden kann. 

 

Mein Resümee dazu: Jemand, der in Gesprächsrunden häufiger etwas denkt, es nicht ausspricht und dabei starke körperliche Symptome verspürt (bei mir sind's Hitze und Kribbeln im Bauch), der sollte oder besser auch, darf - gerne nach kurzem Sammeln und Durchatmen - seinen Gedanken freien Lauf lassen. Und sollte das auch wirklich, wirklich unbedingt tun!  

Welche Gedanken mir beim Lesen Lotters Zeilen in Bezug auf Wertschöpfung in Organisationen und die Rolle des Einzelnen kamen, beschreibe ich in meinem nächsten Beitrag "Ein starkes Ich im echten Wir".

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Kommentare: 1
  • #1

    Klausi (Samstag, 07 März 2020 23:55)

    Der Artikel Lotters ist leider wenig fundiert und drückt sich vor klaren Definitionen heutiger kollektivistischer Ideologien und einer näheren Betrachtung des populistischen Wortes "divers". Deutlicher, im letzten Punkt schwurbelt sich Lotter zu einer Jubelarie des Mainstream-Buzzworts "divers" ohne es mit Inhalt zu füllen.
    So gilt auch hier:
    Die aktuellen Debatten sind aufgrund einer pervertierten linken political correctness geprägt von Denk- und Sprechverboten, die jede offene Diskussion und Lösungssuche verhindern. Diese linke Ideologie ist der aktuelle Hauptzweig kollektivistischer und prä-barbarischer Ansinnen (siehe die Linken, "nachdem wir die 1% erschossen haben ...). Kollektivistische linke Identitätspolitik ala "diverse und bunte" migrantische (vornehmlich islamische) Kulturen CONTRA westliche kapitalistische individuelle Liberalität zerstört letztlich die Basis von Liberalität und Demokratie und somit von Toleranz und Offenheit. Dem Bürgerkrieg oder dem GULAG wird die Tür weit geöffnet.
    Die totalitäre und kollektivistische Gefahr für unsere Demokratie und freie westliche Staatenwelt geht heute unabweisbar von neolinken sozialistischen und islamisch-migrantischen Ideologien aus, die leider von den westlichen Massenmedien verharmlost bis propagiert werden.
    Wir gegen die, ob das nun in Form von "wir Moslems gegen die Ungläubigen" oder "wir Antifas gegen die Liberalen" riecht immer nach Blut oder Scheiterhaufen. Der kollektive Mob lyncht die individuelle Selbstverwirklichung.
    die Zeichen stehen auf Sturm.